Tribunal 45 – Working on Justice ist ein historisch-narratives Serious Game, welches den Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess von 1945/46 aus einer ungewöhnlich nahen und reflektierten Perspektive erfahrbar macht.
Im Spiel übernehmen die Schüler*innnen die Rolle der jungen französischen Juristin Aline Chalufour, die im Team der Anklage arbeitet und sich mitten im Spannungsfeld zwischen Recht, Moral und politischem Druck wiederfindet. Die Geschichte entfaltet sich entlang zentraler Phasen des Prozesses und verbindet dokumentarisch fundierte Inhalte mit persönlichen Momenten, Gesprächen und Entscheidungsprozessen, die den historischen Stoff greifbar machen.
Für das Gameplay setzt Tribunal 45 auf eine ruhige, zugängliche Mischung aus narrativem Adventure und strategischen Entscheidungsaufgaben. Dokumente werden gesichtet, Beweise eingeordnet, Gespräche mit historischen Figuren geführt und juristische wie ethische Fragen abgewogen. Die besondere Stärke des Spiels besteht darin, dass es selten einfache Antworten liefert: Viele Entscheidungen haben keine klar „richtige“ Lösung, sondern regen zur Diskussion über Gerechtigkeit, Verantwortung, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte an. Genau hierin liegt das Potenzial des Spiels für den Unterricht – es lädt nicht nur zum Lernen über Geschichte ein, sondern fördert Perspektivwechsel, Urteilsbildung und kritisches Denken.
Didaktisch überzeugt Tribunal 45 durch seine klare Struktur, die überschaubare Spielzeit und die enge Verzahnung von Gameplay und historischer Erzählung. Das Entwicklerstudio Playing History empfielt den Einsatz ab etwa 16 Jahren, da es sich mit schweren historischen Themen auseinandersetzt, diese jedoch sachlich und sensibel aufbereitet. Tribunal 45 – Working on Justice ist kostenlos für iOS- und Android-Geräte verfügbar und Teil der App „Memorium Nuremberg Trials“.
- Point&Click
- Serious Game
- Gesamtspieldauer: ca. 30-90min
€€ 11-25€
€€€ über 25 Euro
Bilder und Videos zum Spiel
Aus pädagogischer Sicht bietet Tribunal 45 vielfältige Einsatzmöglichkeiten in unterschiedlichen Unterrichtsfächern, da das Spiel historische Inhalte, narrative Elemente und ethisch-juristische Fragestellungen eng miteinander verknüpft. Sein besonderer Mehrwert liegt darin, dass Lernende nicht nur über Geschichte sprechen, sondern aktiv in historische Entscheidungsprozesse eingebunden werden und diese reflektieren müssen.
Im Geschichtsunterricht eignet sich das Spiel besonders zur Vertiefung der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, dem Ende des Zweiten Weltkriegs und den Nürnberger Prozessen. Gefördert werden hier vor allem historische Sachkompetenz, Urteilskompetenz und Perspektivübernahme. Das Spiel ermöglicht es den Schüler*innen, historische Akteure nicht nur als „Täter“ oder „Opfer“, sondern als Teil komplexer politischer und juristischer Prozesse wahrzunehmen. Didaktisch bietet sich ein Einsatz in Form einer Lernstation, einer Spielphase mit begleitendem Arbeitsauftrag oder als Einstieg in die Thematik an. Mögliche Aufgabenstellungen sind das Führen eines Prozesstagebuchs, die Analyse zentraler Entscheidungen im Spiel oder der Vergleich zwischen Spielereignissen und historischen Quellen. Methoden wie Quellenarbeit, Reflexionsgespräche oder Gruppenarbeit lassen sich gut anschließen.
Im Politik- bzw. Sozialkundeunterricht liegt der Fokus auf der Entwicklung politischer Urteils- und Handlungskompetenz. Tribunal 45 verdeutlicht anschaulich die Grundlagen von Rechtsstaatlichkeit, internationalem Recht und Menschenrechten sowie deren historische Entstehung. Der pädagogische Mehrwert besteht darin, dass abstrakte Konzepte wie Gerechtigkeit, Schuld oder staatliche Verantwortung durch konkrete Spielsituationen erfahrbar werden. Im Unterricht kann das Spiel als Fallbeispiel dienen, etwa zur Frage, warum internationale Gerichtsbarkeit notwendig ist oder wo ihre Grenzen liegen. Denkbar sind Aufgaben wie das Erarbeiten von Pro- und Contra-Argumenten zu den Nürnberger Prozessen, Rollendiskussionen oder das Übertragen der im Spiel behandelten Prinzipien auf heutige internationale Konflikte. Methoden wie Debatten, Planspiele oder strukturierte Diskussionen bieten sich hier besonders an.
Im Ethik- oder Religionsunterricht entfaltet das Spiel sein Potenzial vor allem durch die moralischen Dilemmata, mit denen die Spielenden konfrontiert werden. Gefördert werden ethische Urteilskompetenz, Empathiefähigkeit und Reflexionsvermögen. Tribunal 45 zwingt dazu, Fragen nach Schuld, Verantwortung, Vergebung und Gerechtigkeit differenziert zu betrachten, ohne einfache Antworten zu liefern. Der pädagogische Mehrwert liegt darin, dass moralische Fragestellungen nicht theoretisch, sondern situativ erfahrbar werden. Im Unterricht könnten Schüler*innen zentrale Entscheidungssituationen aus dem Spiel analysieren, diese mit ethischen Modellen (z. B. Pflichtethik, Utilitarismus) vergleichen oder eigene begründete Urteile formulieren. Als Methoden eignen sich hier Reflexionsgespräche, Schreibaufgaben oder philosophische Gespräche im Klassenverband.
Auch im Deutschunterricht kann Tribunal 45 sinnvoll eingesetzt werden, insbesondere zur Förderung von Lese-, Schreib- und Analysekompetenzen. Die narrative Struktur des Spiels bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte zur Figurenanalyse, zur Untersuchung von Erzählperspektiven oder zur Arbeit mit argumentativen Texten. Pädagogisch wertvoll ist dabei, dass das Spiel historische Inhalte mit persönlicher Erzählung verbindet. Mögliche Aufgaben wären das Verfassen innerer Monologe der Spielfigur, das Schreiben eines kommentierten Tagebucheintrags oder die Analyse von Dialogen im Hinblick auf Argumentationsstrategien. Methodisch bieten sich kreative Schreibaufgaben, Textvergleiche oder Partnerarbeiten an. Insgesamt eignet sich Tribunal 45 besonders für einen kompetenzorientierten, fächerübergreifenden Unterricht. Das Spiel fördert nicht nur Wissen, sondern vor allem Reflexion, Diskussion und eigenständige Urteilsbildung – zentrale Bildungsziele, die über den reinen Geschichtsunterricht hinausreichen.